Silvester mit Hund
Für viele Menschen gehört das Feuerwerk zu Silvester und zum Feiern leider immer noch dazu. Für Hunde bedeutet der Jahreswechsel jedoch oft eine echte Ausnahmesituation. Aufgrund der Angst vor der Knallerei geraten viele in massive Panik. Diese Angst ist keine Marotte deines Hundes und kein Erziehungsproblem. Die Angst ist tief in der Biologie des Hundes verankert, hat klare emotionale und physiologische Ursachen und muss ernst genommen werden.
Angst vor Lärm ist angeboren – bei jedem Hund
Angst gehört für alle Säugetiere zum Leben dazu. Sie ist in manchen Situationen überlebenswichtig. Es gibt sowohl erlernte, als auch angeborene Angstauslöser. Die Angst vor plötzlichen, sehr lauten Geräuschen ist angeboren. Solche Geräusche aktivieren automatisch das Alarmsystem im Körper. Der Hund reagiert instinktiv mit Stress, ganz egal, wie entspannt oder „cool“ er im Alltag wirkt. Diese Angst ist real. Sie ist nicht antrainiert, nicht übertrieben und nicht einfach „wegzuerziehen“.
Das Besondere an der Silvesterknallerei ist ihre völlige Unvorhersehbarkeit. Die lauten Geräusche kommen ohne erkennbare Struktur, aus verschiedenen Richtungen und in unregelmäßigen Abständen. Für Hunde ist diese Situation nicht einzuordnen. Die Folge ist ein Gefühl von Kontrollverlust. Der Hund kann nicht verstehen, was passiert, kann nicht fliehen und nichts beeinflussen. Dieses Ausgeliefertsein zählt zu den stärksten Angstauslösern überhaupt.
Angst zeigt sich nicht immer sofort
Kannst du die Angst deines Hundes durch Zuwendung verstärken?
Wie sieht es also aus: Darfst du deinen Hund trösten, wenn er Angst hat? Macht es seine Angst schlimmer, wenn du ihn streichelst oder beruhigend mit ihm sprichst? Belohnst du die Angst, wenn du ihm Futter oder Leckerli gibst, während er ängstlich ist?
Leider hält sich dieser weit verbreitete Mythos sehr hartnäckig in den Köpfen der Menschen. Er ist jedoch falsch!
Warum?
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Angst ist eine Emotion, kein Verhalten
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Nur Verhalten kann durch positive Konsequenzen verstärkt werden
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Angst ist nicht willentlich steuerbar
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Angenehme Reize (ruhige Stimme, Körperkontakt, Futter, Schnüffeln) schwächen Angst, statt sie zu erhöhen
Wissenschaftliche Studien bestätigen: Angst wird nicht größer, wenn wir unseren Hund unterstützen, ihn beschäftigen oder ihm etwas Gutes tun. Durch unsere Nähe, unsere ruhige Stimme oder kleine Aufmerksamkeiten geben wir unserem Hund Sicherheit. Unsere Zuwendung hilft ihm, besser durch die stressige Situation zu kommen. Alles, was deinem Hund hilft und ihm guttut, ist also erlaubt.
Nach dem Jahreswechsel ist vor dem Jahreswechsel
Gleichzeitig ist es sehr wichtig, mit dem Hund gezielt an der Geräuschangst zu arbeiten. Je eher man beginnt, desto besser kann man die Angst langfristig reduzieren. Training, Gewöhnung an Geräusche in kleinen Schritten und positive Verstärkung helfen dem Hund, mit lauten Geräuschen ruhiger umzugehen und den Stress zu verringern.
Deine Last-Minute Checkliste: So unterstützt du deinen Hund an Silvester
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Lass deinen Hund an diesem Tag nicht alleine! Du bist seine wichtigste Bezugsperson – sein sicherer Hafen. Deine Anwesenheit gibt ihm Sicherheit, auch wenn er sich zurückzieht.
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Nähe, Berührungen, Streicheleinheiten, Massagen, leichter Druck… all das wirkt nachweislich stressreduzierend und senkt den Blutdruck. Es fördernt die Ausschüttung von Oxytocin, dem sogenannten Kuschelhormon. Es wirkt beruhigend und senkt den Spiegel des Stresshormons Cortisol.
👉🏼Aber: Nicht jeder Hund möchte in dieser Situation engen Körperkontakt. Für manche reicht es, wenn du ruhig, präsent und ansprechbar in seiner Nähe bist. Achte auf die Körpersprache deines Hundes. Bedränge ihn nicht – aber lass ihn nicht allein.
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Vorhänge schließen oder Rollos herunterlassen (Lichtreize reduzieren)
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Sicherheitsort - Möchte sich der Hund verkriechen - biete ihm die Möglichkeit!
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Gleichmäßige Hintergrundgeräusche nutzen, um Knaller zu überdecken (Sound-Masking)
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Geräuschkulissen wie White Noise, Brown Noise oder Drumming sounds
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Radio oder Fernseher etwas lauter als gewöhnlich aufdrehen, gleichmäßige Alltagsgeräusche laufen lassen (Ventilator, Luftreiniger, leiser Föhn)
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Ruhigsten Raum ohne Fenster aufsuchen (z. B. Bad, Flur oder Keller)
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Ablenkung anbieten - Schleckmatten, Kong, Schnüffelteppich oder Futterball, spielen, Tricks abfragen (alles, was der Hund annehmen kann, ist erlaubt).
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Gegenkonditionierung: Jeden Knall positiv verknüpfen: 1 Knall = 1 Leckerchen (auch vorbeugend)
Aber: nicht jeder Hund ist noch in der Lage, Nahrung aufzunehmen.
Medikamente – eine wichtige Option für manche Hunde
Moderne angstlösende Medikamente haben nichts mit „ruhigstellen“ zu tun. Sie sollen Angst reduzieren und dem Hund helfen, die Situation besser zu bewältigen.
Ob und welche Unterstützung sinnvoll ist, sollte immer!! mit einem erfahrenen Tierarzt besprochen und entschieden werden. Bei Hunden mit starker oder jährlich zunehmender Angst, deutlichen Panikreaktionen oder genereller Geräuschempfindlichkeit kann medikamentöse Unterstützung einen entscheidenden Unterschied machen. Sie ersetzt kein Training, kann aber extreme Angst abmildern.
Wichtig: Präparate mit Acepromazin sind dafür ungeeignet. Sie lösen keine Angst, sondern machen den Hund lediglich bewegungsunfähig!!!
Weiterführende Links:
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